Schweden-Woche: Budopädagogik-Intensiv-Modul

Intensiv-Woche des aktuellen Ausbildungsgangs, Mai 2017

Die ‚Schwedenwoche‘ verbindet in der Ausbildung drei Wochenendmodule zu einem Intensiv-Block, der abgeschieden von der Außenwelt in der südschwedischen Einöde in einem einfachen Hause Marke ‚Villa Kunterbunt‘, also auf engem Raum, inmitten relativ unberührter Natur, stattfindet.

Das Konzept der Schwedenwoche wird durch ein Zusammenleben in ‚Dojo-Gemeinschaft‘ auf Zeit umrahmt. Es wird auf engem Raum gemeinsam gearbeitet und gelernt, gekocht und gegessen, entspannt. Möglichkeit sich aus der Gruppe zurückzuziehen besteht wenig.

Die Teilnehmer sind so gezwungen, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen und sich selbst als Teil der Gemeinschaft zu begreifen und zu erfahren. Eine einfache Hausetikette soll die Ordnung erleichtern. Das Ausbildungsprogramm selbst, wird durch einen fixen Anfangspunkt täglich um 7.00 mit einem praktischen Morgenübungsprogramm (Zazen, Kinhin, Qigong, Yoga, Tai Chi) gestartet und dabei individuell gestaltet. Dann gibt es ein gemeinsames Frühstück. Die inhaltlichen Einheiten beginnen stets um 9.00. Danach ist der Verlauf von der jeweiligen Arbeitsdynamik der Gruppe und der Ausbildungsleiter bestimmt, d.h. Praxis und Theorie Blocke wechseln sich in variablen Zeitfenstern ab.

Inhaltlich dient die Schwedenwoche einer Bearbeitung sämtlicher noch offenen Wesenselemente und der Einführung ins budopädagogische Arbeiten. Die erkennbare Grundstruktur in Heranführung der Teilnehmer an ein Wesenselement baut immer auf eine Sammlung und Reflexion der eigenen Budo-Erfahrung im gegebenen Kontext auf. Im gemeinsamen Vortrag und Ergebnisvergleich wird im Diskurs geschärft, präzisiert und korrigiert. Die reflexive Erarbeitung der Themen wird durch Verschriftlichung in Plakatform unterstützt. Das Verschriftlichen fordert die Präzision der Gedanken.

Die Budo-Praxisübungen verfolgen unterschiedliche Ziele, immer mit einem beispielhaften, (budo)pädagogischen Aspekt. Die Fragestellungen nach dem „Warum?“ und sowie „Welches Ziel wird mit einer Übung verfolgt?“ und „Worauf muss man achten?“ werden in anschließender Reflexion im Gruppendiskurs bearbeitet.

Die praktischen Übungen dienen aber auch – wie immer im Budo – der Erfahrung der eigenen Grenzen und fordern Mut und ein Fallenlassen der Masken ein. Sowohl Theorie als auch Praxis zielen auf eine schonungslose Sichtbarmachung und Reflexion des eigenen Budo ab und nehmen in der Folge Bezug zum Ausbildungsinhalt. Selbsterfahrung nimmt in der Ausbildung einen gewichtigen Raum ein, jedoch nicht als Selbstzweck! Sie dient vielmehr der besonderen Durchdringung der Theorie in der Hinsicht, dass das subjektive Erleben des Auszubildenden aktiviert und in Bezug gesetzt wird. Der spätere Budopädagoge muss authentisch sein. Das erfordert eine Einheit, seines inneren Erlebens mit seinem aktiven Tun. Es geht um die ‚Beseelung‘ seines Tuns.

Die Gefahr oder Herausforderung dieses Ausbildungsaspekts liegt in folgendem: Der Auszubildende hat im Rahmen der Selbsterfahrung starken Bezug auf sich selbst zu nehmen, dabei macht er intensive Erfahrungen, die mitunter überraschen, erschrecken oder auch begeistern.

Der Teilnehmer ist nun an einen heiklen Punkt geführt. Denn er konnte – je nach Persönlichkeit – nun den Fehler machen,

  • a) in gewohnter Selbstverliebtheit sich nunmehr noch intensiver um sich selbst drehen und vergessen, worum es geht,
  • b) in gewohnter Selbstdestruktion angstvoll vor dem, was er plötzlich klar erkennt, zurückschrecken, sich krümmen und gehen.

Beides kommt immer in unterschiedlicher Stärke vor und liegt es nun an der Führung, dieses klar zu erkennen und entsprechende Akzente zu setzen, durch

  • a) geschickte Steuerung des Gruppengeschehens als intervenierend-unterstützender Faktor,
  • b) Führung eines MONDO- Lehrgespräches.

Die Perspektiven der Teilnehmer werden auf unterschiedliche Art (doch letztlich stets budopädagogisch) erweitert und deren Blick geschärft.

Der abgeschiedene und abgeschlossene Raum einer Intensivwoche ist für die Teilnehmer bewusst anstrengend gestaltet, damit eine Konfrontation mit der Materie vielschichtig nicht nur ermöglicht, sondern auch erzwungen wird.

In Schweden muss jeder seine Komfortzone früher oder später verlassen. Auf Phasen der Entspannung wird dennoch geachtet. Diese Phasen sind notwendig, um ‚Einsickern‘ des Erlebten und Verarbeitung auch in einem lockeren Rahmen alleine oder in Gruppe zu ermöglichen. Insofern gibt es keine Pausen.

Aus der Sicht des Instructors ist eine Intensivwoche eine besondere Herausforderung, denn gilt es auch die Teilnehmer durch ihre aufbrechenden Krisenmomente sicher und konstruktiv zu führen, ohne das Ganze zur Gruppentherapie ausarten zu lassen. Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass es sich um kein Selbsterfahrungsseminar handelt, sondern um eine Ausbildung, bei der Standards eingefordert werden müssen, auch auf die Gefahr hin, dass jemand die Ausbildung abbricht.

DORIS NACHTLBERGER, BP-Master, Referentin, in Ausbildung zum Instructor (Wien)

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